Konteradmiral Stephan Haisch leitet die Führung der Commander Task Force Baltic. Im neuen Hauptquartier der Deutschen Marine in Rostock spricht er darüber, wie Russland die NATO im Ostseeraum testet und welche Abschreckung die Allianz jetzt braucht.
Kategorie
🗞
NewsTranskript
00:00Ich bin hier beim neuen Hauptquartier der deutschen Marine in Rostock.
00:05Das ist kein NATO-Hauptquartier, sondern es ist ein nationales, taktisches Hauptquartier,
00:10das Aufgaben innerhalb der NATO-Strukturen übernimmt.
00:14Und um die Commander Task Force Baltic, kurz CTF, soll es heute gehen.
00:19Insgesamt acht Ostsee-Anrainerstaaten, die auch NATO-Mitgliedstaaten sind,
00:23und weitere fünf NATO-Mitgliedstaaten beteiligen sich.
00:26Das Ziel ist, ein immer aktuelles militärisches Lagebild zu liefern,
00:31die Seestreitkräfte zu führen und maritime Operationen zu planen.
00:35Und das Kommando hat der deutsche Konteradmiral Stephan Heisch.
00:39Ich habe hier mit ihm sprechen können.
00:42Konteradmiral Stephan Heisch, ich freue mich, dass Sie Zeit haben,
00:45in diesen geopolitisch ja sehr herausfordernden Zeiten.
00:48Was ist eigentlich das Wichtigste, gerade jetzt, als Eigenschaft in Ihrem Job?
00:54Ruhe, Gelassenheit und einen klaren Blick.
00:57Einen klaren Blick wofür?
00:59Einen klaren Blick für das, was in der Ostsee passiert,
01:02und das verbunden mit einer gewissen Wachsamkeit.
01:04Wie wachsam müssen Sie denn sein? Oder anders gefragt,
01:07wie schaffen Sie es überhaupt, 400.000 Quadratkilometer Fläche
01:14und dann eine Wassertiefe von 500 Metern jeweils zu überblicken, zu überwachen, zu überprüfen?
01:21Wenn ich die Beatles zitieren würde, würde ich sagen,
01:24with a little help of my friends. Bei NATO sagt man, stronger together.
01:27Also das geht natürlich nur mit unseren Partnern gemeinsam,
01:30die mit ihren Sensoren, mit ihren Schiffen, mit ihren Flugzeugen uns unterstützen,
01:34sodass alle NATO-Partner hier in der Ostsee gemeinsam zum Lagebild beitragen
01:39und wir so einen möglichst großen und guten und detaillierten Überblick auch wirklich haben.
01:44Sie haben schon ein paar Geräte genannt. Was ist das Entscheidende?
01:47Sensoren, Unterwasserdrohnen, Satelliten, mit was arbeitet es?
01:50Es ist in der Tat die Kombination aus allem zusammen.
01:52Denn ein Schiffsradar beispielsweise hat nur eine etwas geringere Auffassreichweite.
01:57Wir haben Flugzeuge draußen, wir haben Drohnen draußen, wir haben Küstenradarstationen
02:02und all das ergibt ein Gesamtlagebild, das bei uns in Osterau zusammengeführt wird.
02:06Also es ist wirklich die Mischung vieler Sensoren, die uns helfen, das so zu halten, wie wir es haben.
02:12Sie haben die Flugzeuge auch angesprochen. Zuletzt hat für Aufsehen gesorgt,
02:16dass sich russische Flugzeuge, darunter ein Aufklärungsflugzeug, in den Ostseeraum begeben hatten
02:24und auch in die Nähe des deutschen Luftraums. Die wurden dann zurück eskortiert.
02:29Was können Sie uns über den Fall sagen?
02:31Ja, bei all den großen geopolitischen Themen darf man nicht vergessen,
02:35dass Russland selbstverständlich wie alle anderen Anrainer auch ein NATO-Anrainer ist.
02:40Also die Ostsee auch für Handelszweck genutzt, für militärische Erprobungen.
02:45Und dass in dem Zusammenhang es völlig normal ist, dass Russland Aufklärungsflüge über der Ostsee macht.
02:51Das machen wir ja dementsprechend auch.
02:54Immer nicht so schön ist es, wenn wir das Gefühl haben, es ist vielleicht nicht ganz professionell
02:59und es wird vielleicht auch ein bisschen zu dicht oder zu gefährlich.
03:03Nicht schön ist auch, wenn nicht wie sonst üblich und zu erwarten ein Transpondersignal ausgesendet wird,
03:10sodass man nicht weiß, wer unterwegs ist. Und dann beginnt eben die normale Alarmierung.
03:14Eine Alarmrolle der NATO steigt auf, guckt, wer da in den Luftraum eindringt oder da unterwegs ist,
03:19fängt das Flugzeug ab und eskortiert es wieder raus.
03:22Und das passiert gelegentlich. Das finde ich jetzt nicht besonders nett.
03:27Aber damit müssen wir leben.
03:29Ist vielleicht auch eine Frage, um uns zu testen, wie wachsam wir wirklich sind
03:34und wie schnell wir auf das eine oder andere reagieren.
03:37Das heißt, Sie interpretieren das aber schon als eine feindliche Aktion?
03:42Ich interpretiere es so zu sagen, dass es nicht unbeabsichtigt erfolgt.
03:47Und ich würde schon sagen, da steckt eine gewisse Absicht dahinter.
03:50Und wenn man das mal in den Kontext stellt, das ein oder anderen, was wir in der Ostsee auch an ähnlichen,
03:55an Überwachungsflügen, an Aufklärungsmissionen erleben, dann glaube ich schon, dass man uns testen möchte.
04:01Wie reagieren wir? Worauf? Wie wachsam sind wir? Was merken wir? Was merken wir nicht?
04:05Und insofern ist das, was mich auch wirklich tagtäglich beschäftigt.
04:09Wie groß ist denn die Bedrohungslage, die ganz konkret vom Ostsee-Anrainer Russland ausgeht?
04:16Wir alle haben ja in den letzten Tagen und Wochen auch die Diskussionen verfolgt
04:22und auch die Einschätzungen, die auf politischer Ebene auch erfolgen,
04:25die um das Jahr 2028, 2029 sich drehen, zu sagen,
04:30bis zu diesem Jahr würde Russland möglicherweise in der Lage sein, mit seinen Fähigkeiten einen Angriff zu starten.
04:36Ich glaube nicht, dass wir eine akute aktuelle Bedrohung haben über einen klassischen militärischen Angriff auf einen der NATO-Partner.
04:45Aber es ist sicherlich immer damit zu rechnen, dass diese, wir nennen das hybride Aktion,
04:55unter Wasserkabel zum Beispiel, dass solche durchschnitten werden, dass sowas immer mal wieder passiert.
05:01Und auch das bedroht natürlich unsere Sicherheit, ist ein Angriff auf unsere Energieversorgung oder Cyber-Attacken.
05:07Also es ist schon nicht so, dass es nicht angespannt wäre,
05:11aber eine akute Bedrohung mit Blick auf einen klassischen militärischen Angriff, die sehe ich Stand heute nicht.
05:16Wie stellen Sie sich darauf ein?
05:20Wir, und das ist einer der wirklich großen Vorteile des ZDF Baltic, warum wir ihn auch aufgestellt haben,
05:26ist, dass wir gemeinsam mit unseren NATO-Partnern verantwortlich sind für die Verteidigungsplanung in der maritimen Domain.
05:34Das heißt, wir setzen uns zusammen und entwickeln sehr im Detail auf mögliche Szenarien, wie wir darauf reagieren
05:41und wie wir die Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, dann auch entsprechend einsetzen in verschiedenen Phasen.
05:46Und ich glaube, dass wir da sehr, sehr gute Fortschritte gemacht haben und auch gut vorbereitet sind.
05:50Aber am liebsten wäre natürlich, wenn die Abschreckung greift.
05:58Also wenn wir im Vorfeld klar sagen können, wir sind wachsam, wir zeigen hier Stärke
06:03und es ist keine gute Idee, uns irgendwas anzutun im Sinne eines militärischen Angriffs.
06:08Was brauchen Sie dafür, damit diese Abschreckung noch besser funktioniert?
06:12Wir erleben das ja gerade ganz aktuell mit der NATO-Operation, die unter meiner Führung aus Rostock hier läuft,
06:18indem wir schlicht und ergreifend mit einer hohen Präsenz, also sichtbar mit vielen Schiffen, Flugzeugen auf dem Wasser da sind
06:26und einfach sagen, wir passen auf, wir können euch beobachten, wir sehen, was ihr macht.
06:30Das Ganze verbinden wir mit einer Vielzahl an Übungen, in denen wir auch natürlich für uns Sachen trainieren,
06:36aber eben auch zeigen, wir sind in der Lage, mit U-Booten zu arbeiten, wir sind in der Lage, mit Flugzeugen zu arbeiten.
06:41Wir haben ein Lagebild, wir können Waffen einsetzen, also einfach Stärke zu demonstrieren.
06:46Und das gelingt uns mit allen Partnern zusammen gerade schon recht gut.
06:49Aber es gibt ja möglicherweise jetzt sogar auch noch mehr Geld für solche Abschreckungsbilder.
06:56Allein Deutschland hat jetzt festgelegt, der Bundestag, dass es für Verteidigungsausgaben nicht mehr die alte Schuldenbremse geben muss.
07:08Es kann also Geld fließen. Was steht auf Ihrer Wunschliste?
07:11Ich als NATO oder derjenige, der für die NATO arbeitet, habe eigentlich gar keine eigene Wunschliste.
07:18Deshalb versuche ich mal die Antwort um die Ecke zu beantworten.
07:21Denn das, was ich in der Ostsee mache, kann ich nur machen mit dem, was die Partner, die Nationen zur Verfügung stellen.
07:27Und da merke ich natürlich schon, das große Feld Aufklärung haben wir gerade angesprochen.
07:32Je mehr Nationen in der Lage wären, die Ostsee so komplett zu überwachen mit bemannten, unbemannten Systemen,
07:39dass ich am Ende ein 24-7-Lagebild in allen Dimensionen habe, umso mehr hilft es mir.
07:45Und natürlich ist auch jedes Schiff, jeder zusätzliche andere Sensor für mich in der Ostsee eine große Hilfe.
07:51Was die einzelnen Nationen daraus machen, ist letztlich deren Entscheidung.
07:55Ich finde es aber ganz immer wichtig zu betonen, wir reden ja oft über Panzer, Flugzeuge, große Schiffe.
08:01Es sind oft auch Kleinigkeiten, Interoperabilität, dass wir mit demselben Lagebildsystem arbeiten,
08:08dass wir alle eine ausreichende Anzahl an kryptierten Kommunikationsmöglichkeiten haben,
08:14dass wir im Schrittbereich Drohnen vorankommen.
08:18Das sind so Dinge, wo ich sage, man muss nicht immer ins ganz Große denken, was wir in fünf Jahren haben,
08:24sondern ich brauche Dinge, die mir schnell helfen.
08:26Und ich bin auch sehr froh, wenn alle Einheiten, die mir unterstehen,
08:29nicht nur in dem Moment, wo sie mir unterstehen, mit Munition ausgerüstet sind,
08:33sondern eben auch schnell nachversorgen können.
08:36Also auch Munitionsbeschaffung ist ein ganz wichtiger Punkt, den ich mir beispielsweise auch wünschen würde.
08:41Also ein ganz bunter Strauß.
08:43Das heißt, Sie sind dafür, dass die NATO in der Ostsee aufrüstet?
08:50Der Begriff Aufrüstung, ich glaube schon, dass alle NATO-Nationen erkannt haben,
08:58dass sie die eine oder andere Fähigkeitslücke haben.
09:02Und um diese Fähigkeitslücke zu schließen, sei es im Bereich der Munition, sei es im Bereich Seeraumüberwachung,
09:08sei es im Bereich Minenlegen, U-Boot-Jagd, man kann es natürlich fortsetzen,
09:13führt natürlich dazu, dass Forderungen gestellt werden, die am Ende zu einer Rüstungsausgabe führen.
09:20Und ob das Aufrüstung ist, ich finde das immer so negativ.
09:23Aber wir tun das ja, um weiter abzuschrecken, um zu verteidigen.
09:27Sie haben eben schon angesprochen, dass Sie persönlich nicht erwarten,
09:30dass Russland so eine Art konventionellen Angriff durchführen könnte in ein paar Jahren.
09:36Wie sehen das denn Ihre Partner? Gibt es da größere Bedenken?
09:41Es ist sehr, sehr interessant, wenn man sich in den baltischen Staaten aufhält,
09:46die direkt die Grenze zu Russland haben.
09:49Und deren Bedrohungsperzeption ist schon in Teilen eine andere.
09:53Also auch dort rechnet man nicht damit, dass morgen, übermorgen, nächsten Monat
09:57ein großer konventioneller Angriff stattfindet.
10:00Aber festzustellen, zum Beispiel in Island, wo es per Monat 200 Cyber-Angriffe gibt,
10:08auf die verschiedenen Bereiche der Gesellschaft, von Hafeninfrastruktur auf Banksysteme,
10:13auf Verwaltung, auf zivile Verwaltung, für die ist das schon sehr anders.
10:18Und insofern drängen die auch mit Nachdruck darauf,
10:20dass wir mit unseren Plänen jetzt auch schnell vorankommen,
10:23die Pläne fertig haben, feststellen, was fehlt uns vielleicht in den Plänen,
10:26das wiederum dann zügig beschaffen.
10:29Und da gibt es ganz viele Felder, die wir da reinschauen.
10:32Aber ja, die Bedrohungswahrnehmung ist, je weiter Sie in den Osten kommen, schon anders.
10:37Und Sie haben auch berichtet von der Mission, die Sie führen,
10:41wo es eben darum geht, Energiesicherheit zu gewährleisten, auch Datensicherheit.
10:46Können Sie uns mal vertraut machen damit, was so die Frequenz ist?
10:51Also hat das jetzt zum Beispiel auch allein seit Anfang des Jahres zugenommen?
10:56Also wir sind natürlich, oder wir haben angefangen mit der Mission Baltic Sentry,
11:02Baltic Sentry ist der Name, ausgelöst durch die Ereignisse, die wir um die Jahreswende hatten.
11:07Seitdem gab es noch ein paar Vorfälle, die auch in der Presse waren, aber nicht mehr so viele.
11:13Also ich glaube schon, dass wir mit der wirklich großen Präsenz, die wir zeigen,
11:17dafür gesorgt haben, klar zu zeigen, wir sind vorbereitet und wir merken, wenn was passiert.
11:24Ich muss aber auch sagen, die Ostsee, Sie sprachen es vorher an,
11:27ich vergleiche das gerne mit der Fläche von Deutschland.
11:29Ich glaube, Deutschland passt ungefähr 1,3 Mal in die Ostsee rein und das auf Meeresspiegel zu übertragen,
11:36den man von oben nicht so einfach einsehen kann.
11:38Also wir müssen uns auch von der Illusion im Moment lösen,
11:42dass wir jeden Quadratzentimeter des Ostseebodens permanent überwachen können und wir alles sehen.
11:48Es kann immer mal was passieren, das muss uns einfach klar sein.
11:51Und die Gefahr kommt hier nur von Russland oder wie schätzen Sie zum Beispiel auch Aktionen von Seiten Chinas ein?
11:59Was wir feststellen, ist, dass wenn solche Vorfälle passieren,
12:06beispielsweise das Klassische mit dem Ankerziehen, dass sich dahinter sehr oft ein Gestrüpp,
12:14eine verzweigte Verästelung von unterschiedlichen Nationen,
12:18was Kapitän, Crew, Eigner, Reedereien, Gesellschaften angeht.
12:23Also es ist schwer nachzuverfolgen und es wirklich zuzuordnen, wer am Ende vielleicht der Auslöser war.
12:30Andersrum kann man aber die Frage stellen, wer hätte denn ein Interesse daran?
12:34Wer hat ein Interesse, uns zu schaden?
12:37Wer hat ein Interesse, die Einigkeit des Westens infrage zu stellen?
12:42Wer hat ein Interesse daran, unsere Energiesicherheit zu zerstören?
12:46Und dann kann man relativ schnell auf die Idee kommen, wer es sein könnte.
12:50Wie viel Gefahr geht denn von der sogenannten russischen Schattenflotte aus?
12:56Macht Ihnen das besondere Sorge?
12:58Ja, das macht uns insofern Sorgen, weil ja mit der Schattenflotte in erster Linie die Embargo-Maßnahmen unterlaufen werden sollen.
13:07Und wenn man viele Jahre zur See gefahren ist, was ich glücklicherweise auch durfte,
13:12und man schaut mal auf den Zustand der Schiffe, in welchem die sind, teilweise veraltet,
13:17Navigationsausrüstung vielleicht nicht auf dem Stand, seemännisch vielleicht nicht so ausgebildet.
13:22Das macht mir wirklich Sorge, weil ich nicht ausschließen kann, dass wirklich vielleicht mal durch einen,
13:28das passiert ja mal, dummen Fehler, ein großer Frachter hier vor der Haustür in die Kadettrinne in Schaden hat,
13:35auf Grund läuft und dann haben wir hier eine Umweltkatastrophe.
13:38Insofern macht mir das schon Sorgen im Gesamtkontext natürlich dessen,
13:43was wir hier auch an Überwachung der kritischen Unterwasserinfrastruktur machen.
13:47Seit wir angefangen haben, haben wir über tausend Schiffe abgefragt, also angerufen und abgefragt
13:54und haben jedes Schiff konfrontiert, zu gucken, zeigen die das richtige AIS-Signal, wo fahrt ihr hin, was habt ihr geladen,
14:02haben informiert und, und, und und dann natürlich das am Ende auch auch hinterfragt
14:08und dann kommt man auf einige so wie ich sagte erschreckende Dinge, die man da so feststellt.
14:12Und manchmal hätte ich so, manchmal würde ich meinen Kommandanten draußen gerne sagen, geht doch einfach mal an Bord,
14:18dürft ihr natürlich nicht und sagt dem mal, hey, wir bilden euch mal aus und wir zeigen euch mal, wie das geht, hier sicher zu See fahren.
14:24Aber okay.
14:26Ganz zu Beginn haben Sie gesagt, Ruhe brauchen Sie jetzt besonders, Ihrem Job Klarheit.
14:30Wird Ihnen trotzdem, auch wenn Sie sich um diese Ruhe bemühen, manchmal schwindelig,
14:36wenn Sie sehen, dass ein NATO-Verbündeter, der NATO-Verbündete wie die USA, einem anderen NATO-Partner, Dänemark zum Beispiel,
14:45mit dem Sie ja auch eng zusammenarbeiten bei CTF, Gebiete streitig machen möchte, Grönland.
14:50Wie gefährlich ist das für die NATO?
14:53Wissen Sie, das Schöne an meinem Job ist, dass ich innerhalb der NATO auf der ganz tiefen taktischen Ebene arbeite
15:02und mich jeden Tag erfreuen kann, dass die Menschen, die ich sehe, aller Nationen inklusive der Amerikaner,
15:07mit mir nach wie vor ganz hervorragend zusammenarbeiten und wir sicherlich jetzt über Politik unterhalten.
15:13Aber ich habe bisher nichts festgestellt, was mir Sorge machen würde, dass ich keine Unterstützung bekomme.
15:18Ich habe auch gerade amerikanische Soldaten, die mir unterstellt sind, oder dass US-Balltops abgesagt werden würde,
15:24als das große Ostseemannäher im Juni, dass andere Dinge, die wir mit den Amerikanern zusammen machen,
15:30im Moment nicht stattfinden. Mir macht das auf meiner Ebene tagesaktuell gar keine Sorge.
15:36Und das gilt auch für den Informationsaustausch in Zeiten von Signalgate?
15:42Das gilt auch für den Informationsaustausch, aber auch da muss man vielleicht auch ein bisschen über den Tellerrand gucken,
15:48denn jede Nation, auch wir Deutschen, haben natürlich unsere Quellen, unsere Ressourcen,
15:53unsere Aufklärungsmöglichkeiten und Gewinninformationen.
15:57Und auch wir Deutschen legen aus guten Gründen manchmal fest, das ist nur Deutschen zur Kenntnis
16:03oder geben Informationen in anderer Art und Weise an die NATO dann weiter.
16:08Ich kann hier sagen, den tagtäglichen Austausch, also die tagtägliche Information, Überlagebild,
16:14auch aus den Intel-Quellen, habe ich nie im Leben das Gefühl, dass mir was verheimlicht wird,
16:19sondern die Informationen, die ich brauche, die habe ich und die bekomme ich und so habe ich ein super Lagebild.
16:24Und wenn was unklar ist und man ruft da an, dann wird einem das auf dem Telefon, auf der sicheren Leitung am Telefon dann auch erklärt,
16:31was sich dahinter verbirgt. Also ich stelle das bisher nicht fest.
16:34Abschließend würde ich gerne noch eine Sache wissen. Weil Sie so erfahren sind, weil Sie mit so vielen Menschen zusammenarbeiten
16:40und weil sich die Situation so fundamental verändert hat für Deutschland, für Europa.
16:46Gibt es auch Momente in Ihrem Leben, wo Sie richtig ein bisschen Sorge haben, dass ein Krieg irgendwann doch kommt? Ganz nah?
16:54Naja, wenn man den Beruf des Soldaten gewählt hat, dann ist diese Gefahr natürlich immer da.
17:01Oder damit muss man sich auseinandersetzen, in so eine Situation zu kommen.
17:04Die Zeiten sind unruhiger geworden. Und als ich eingestiegen bin in die Bundeswehr 1986 am Ende des Kalten Krieges
17:13und ich dann viele Jahre erlebt habe, wo ich dachte und hoffte und glaubte, wir sind in einer Phase,
17:19wo ich nie damit im Leben rechnen kann und würde, dass wir in Europa einen Krieg haben.
17:23Nun haben wir in Europa einen Krieg und ja, es macht mir schon Sorge, weil ich mir nicht sicher bin,
17:29ob wir dauerhaft einen Frieden hier haben werden.
17:32Ich danke Ihnen für das Gespräch, für die Einblicke. Kontakt mir, Stefan Heisch.
17:36Sehr gerne.