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Estland grenzt direkt an Russland. Außenminister Margus Tsahkna ist überzeugt, dass die USA die NATO nicht im Stich lassen wird, wenn es hart auf hart kommt. Allerdings müsse Europa deutlich mehr einbringen, um Russland abzuschrecken.

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Transkript
00:00Markus Zaknar ist bei mir der Außenminister von Estland.
00:07Die Baltische Republik grenzt über 340 Kilometer an Russland.
00:11Sie liegt an der Ostflanke der NATO.
00:13Herr Zaknar, Sie sind gerade aus Washington D.C. nach Berlin gekommen.
00:17Sie haben mit Marco Rubio, dem neuen Außenminister der USA, gesprochen.
00:22Was ist Ihr Eindruck? Lässt Rubio Europa im Stich?
00:27Ganz im Gegenteil. Wir haben ein Bekenntnis zu den baltischen Staaten und auch zur NATO herausgehört.
00:39Klar ist, dass es Erwartungen an Europa gibt.
00:42Wir müssen mehr tun, die Verteidigungskapazitäten erhöhen und mehr investieren.
00:50Aber das ist nicht neu. Das hat Präsident Trump in seiner ersten Amtszeit auch schon gesagt.
00:56Und auch viele andere US-Präsidenten vor ihm.
01:00Und seien wir ehrlich, da ist wirklich etwas aus dem Gleichgewicht geraten.
01:04Wir müssen also mehr tun.
01:06Und ich habe auch die große Chance genutzt, ihm als Vertreter Europas zu berichten,
01:11dass Deutschland letzte Woche die historische Entscheidung getroffen hat, die Verteidigungsinvestitionen stark zu erhöhen.
01:17Das wird in den USA wahrgenommen.
01:20Die USA werden sich weiter für die NATO und Europa einsetzen.
01:26Aber sind Sie wirklich noch davon überzeugt, dass sich die USA im Zweifelsfall eisern verpflichtet fühlen würden,
01:32Europa und auch das Baltikum zu verteidigen?
01:35Wenn wir zuletzt auf die Ukraine schauen, da sind die Amerikaner doch mehr oder weniger dabei zu sagen,
01:39wir kümmern uns nicht mehr so sehr um die Ukraine.
01:44Präsident Trump hat doch sehr konkret versprochen, dass er der Ukraine Frieden bringen wird.
01:49Er arbeitet intensiv mit der Ukraine zusammen und setzt Putin insofern unter Druck,
01:54als dass es zumindest mal einen Waffenstillstand geben wird.
01:58Wir beobachten, dass Putin nicht bereit ist, Frieden zu schließen.
02:02Der Ball liegt da jetzt bei Putin.
02:04Aber lassen Sie uns über die NATO sprechen.
02:07Estland ist seit mehr als 20 Jahren in der NATO und in der EU.
02:11Die USA werden die NATO nicht im Stich lassen, wenn es hart auf hart kommt.
02:16Da würden die USA ja ihre Autorität als Militärmacht weltweit verlieren.
02:24Aber natürlich müssen wir sehr intensiv an den transatlantischen Beziehungen arbeiten.
02:29Wir müssen liefern.
02:31Viel hängt von uns selbst in Europa ab.
02:34Die Frage ist auch, ob wir militärische Ausrüstung auch von den USA kaufen
02:39oder ob wir nur in Europa kaufen und investieren werden.
02:43Das war nämlich eine Frage, die uns gestellt wurde.
02:46Das ist wichtig, wenn man mit Präsident Trump spricht,
02:49ihn zu überzeugen, dass es im Interesse der USA ist, dass Europa sicher ist.
02:56Und dass Europa ein zuverlässiger Partner auf wirtschaftlicher Ebene ist.
03:02Aber wenn man sich die Verhandlungen zwischen den USA und Russland
03:05sowie zwischen den USA und der Ukraine ansieht, die gerade in Saudi-Arabien laufen
03:09und wo es um einen teilweisen Waffenstillstand oder den Weg zu einem Waffenstillstand geht,
03:13ist es dann nicht so, dass die Russen diese Gespräche eigentlich dominieren?
03:21Ja, Russland und Putin haben derzeit die Oberhand.
03:24Und er verlangt immer mehr, weil er weiß, dass Präsident Trump jetzt liefern muss.
03:31Putin macht kleine Zugeständnisse, stellt dann aber viele, viele Bedingungen.
03:36Bedingungen, die gar nichts mit der Ukraine an sich und dem Krieg zu tun haben,
03:40sondern mit der europäischen Sicherheitsarchitektur.
03:46Auch russische Interessen im Nahen Osten spielen eine Rolle.
03:50Außerdem geht es um wirtschaftliche Interessen, denn, um ehrlich zu sein,
03:53geht es der russischen Wirtschaft ziemlich schlecht.
03:58Sie ist in der Krise und nahe am Zusammenbruch.
04:01Also ja, Präsident Trump hat eine offene Flanke geboten
04:04und natürlich nutzt Putin, der ein sehr erfahrener Lügner ist, das aus.
04:11Aber glauben Sie, dass es am Ende tatsächlich einen Waffenstillstand geben wird?
04:15Bis jetzt sieht es zumindest so aus, als wird es schwer, etwas zu erreichen.
04:18Und wird es am Ende Frieden für die Ukraine geben?
04:21Einen Frieden, der akzeptabel für die Ukraine ist?
04:26Ich hoffe es und wir alle hoffen es, aber es geht nicht um die Ukraine.
04:29Es geht um Putin.
04:31Es scheint so, als dass Putin den Frieden zumindest nicht besonders schnell haben will.
04:37Also zieht er alles in die Länge. Er legt neue Bedingungen auf den Tisch.
04:42Das ist ja ein altbekanntes Phänomen.
04:44Wenn man mit Putin oder Russland verhandelt,
04:46dann verrücken sie mit jedem Kompromiss die rote Linie ein bisschen zu ihren Gunsten.
04:54Das macht es ehrlich gesagt schwer, einen dauerhaften gerechten Frieden zu erreichen.
04:59Hoffen wir, dass Präsident Trump sehr bald versteht,
05:02dass auch er Putin unter Druck setzen muss. Mit Sanktionen.
05:11Im Energiebereich, im Bankensektor, mit allen möglichen Arten von Druck, die er ausüben kann.
05:19Ein Stück weit hat auch Putin Angst vor Trump. Und da sitzt dann Trump am längeren Hebel.
05:24Markus Sackner, vielen Dank.

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