Eine Wunschvorstellung à la Hauptmann von Köpenick
Nach 45 Arbeitsjahren im Traditionsunternehmen Jacobi wird Willi Hauptmann (Alfons Noventa) mit Treuebonus und einem formellen Dankesschreiben gekündigt. Als er erzürnt die Vorstandsetage stürmt, wird er von den Entscheidungsverantwortlichen für den erwarteten Großinvestor Meyers gehalten und landet direkt im Chefsessel. Als „Global Player" beginnt er das Spiel der Mächtigen zu durchschauen und ihre strategischen Winkelzüge zu seinen Gunsten und denen anderer MitarbeiterInnen anzuwenden. Die Welt der korrupten SpitzenmanagerInnen wird auf den Kopf gestellt.
Nach 45 Arbeitsjahren im Traditionsunternehmen Jacobi wird Willi Hauptmann (Alfons Noventa) mit Treuebonus und einem formellen Dankesschreiben gekündigt. Als er erzürnt die Vorstandsetage stürmt, wird er von den Entscheidungsverantwortlichen für den erwarteten Großinvestor Meyers gehalten und landet direkt im Chefsessel. Als „Global Player" beginnt er das Spiel der Mächtigen zu durchschauen und ihre strategischen Winkelzüge zu seinen Gunsten und denen anderer MitarbeiterInnen anzuwenden. Die Welt der korrupten SpitzenmanagerInnen wird auf den Kopf gestellt.
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NewsTranskript
00:00Der ganze Bua ist ein einziges Genie, die Idee ist der Hammer, ich schwöre eins, ein
00:20kleines Entwicklungsteam, ein Jahr Vorbereitung und die Firma kann sich damit dumm und dämlich
00:25verdienen.
00:26Ausverkaufte österreichische Erstaufführung und großer Jubel bei der Premiere von Global
00:45Player, also Grund genug für uns die von Autor Stefan Vögel clever gebaute Komödie
00:49voll unerwarteter Wendungen zu besuchen.
00:52An wen man im wirklichen Leben dabei denkt, darüber waren sich alle einig, denn wer kennt
00:57sie nicht?
00:58Die Unternehmer, die skrupellos auf Kosten ihrer Angestellten Roulette spielen und über
01:02Kontinente hinweg ihre betrügerischen Gewinne transferieren und verschleiern.
01:06Zum siebenten Mal eine österreichische Erstaufführung von Komödienspezialist Stefan Vögel an der
01:12freien Bühne bieten.
01:14Theaterdirektorin Michaela Ehrenstein freute sich über den eigens angereisten Autor und
01:19ihren Coup, der für ihre jahrelange erfolgreiche und ambitionierte Zusammenarbeit mit AutorInnen
01:24und Verlagen spricht.
01:25In der von Reinhard Hauser einfallsreich am Puls derzeit inszenierten Komödie brillierten
01:31im ungewöhnlich großen und ideal besetzten Ensemble Alfons Nuventa als der zum Firmenjubiläum
01:37gekündigte Willi Hauptmann.
01:38Mitarbeiter, am Freitag, dem 31. März um 17 Uhr zu einem kleinen Umtrunk in die Kantine
01:44einzuladen.
01:45Den beigelegten Scheck in der Höhe eines Treustbonuses erachten Sie bitte als kleines
01:50Dankeschön für Ihre treuen Dienste.
01:51Als Mann der ersten Stunde sind Ihnen die durch eine sich in der jüngsten Vergangenheit
01:56rapide geändert habende Marktsituation notwendig gewordene Umstrukturierungsmaßnahmen gewiss
02:01nicht verborgen geblieben.
02:03Leider bleibt die Zeit nicht still und sie macht auch vor der Gegenwart nicht halt.
02:07Aus diesem Grunde sind wir uns gezwungen, Sie bei 1. April dieses Jahres zu entlassen.
02:19Wir hoffen, dass Sie diesen Schritt verstehen.
02:22Der erzürnt die Chefetage stürmt und den verantwortlichen Machthabern mal so richtig
02:27die Meinung sagt.
02:28In Ihrer Abfallung.
02:29Den Teufel werde ich tun.
02:30Bitte.
02:31Ich will den Kräuter sehen.
02:32Bitte, verstehen Sie mich, Sie riskieren Ihren Arbeitsplatz.
02:37Na, das ist aber sehr witzig.
02:40Na, wie soll ich denn meinen Arbeitsplatz riskieren, wenn ich gar keinen Arbeitsplatz mehr hab?
02:45Man hat sie rausgeschmissen.
02:48Großartig Felicitas Lukas, Andreas Roder und Birgit Wolf als loyale Chefsekretärin,
02:53John Fricke, Stephanie Gutmann, Wilhelm Prängsack und Florian Sendlhofer ergänzen
02:58in weiteren Rollen die pointenreiche Finanzkomödie, in der Stefan Vögel unterhaltsam Einblick
03:03in die Mechanismen dieser Welt gibt.
03:06Vorstellungen bis 5. April.
03:08Rechtzeitig Karten sichern.
03:11Stellen Sie sich vor, heute Morgen hat mich der junge Jakobische zu einem Segeltörn
03:21in die Karibik eingeladen.
03:23Da gratuliere ich.
03:26Ja, Nemies steht, oder sitzt besser gesagt.
03:30Der erschöpfte Alphons November.
03:33Interessantes Stück.
03:36Was hältst du von dem Stück selbst?
03:38Ich hab erst im Dezember erfahren, dass ich da mitspielen soll.
03:42Hab da jetzt noch 5 Vorstellungen von meinem Karl-Valentin-Stück.
03:47Zwei sind schon, drei kommen jetzt Ende März noch.
03:51Und hab mir gedacht, ja, ich schau mir's einmal an.
03:53Dann hab ich das Stück durchgelesen.
03:55Ich kenne den Stefan Vögel als Fradelberger seit vielen Jahren.
03:57Wir sind befreundet.
03:59Ich hab gewusst, dass der Reinhard Hauser Regie macht,
04:02mit dem ich viele Jahre in St. Pölten als Kollegen engagiert war.
04:06Und dann war er mal ein Jahr lang sogar mein Intendant.
04:09Und die zwei Argumente hab ich der Frau Direktorin mitgeteilt.
04:13Und dann gesagt, die zwei Namen genügen mir, ich bin dabei.
04:16Und dann hab ich gelesen, gelesen, gelesen.
04:18Und hab dieses Stück lieb gewonnen.
04:20Und vor allem hab ich auch diese Rolle lieb gewonnen.
04:23Und jetzt haben wir viele Wochen ganz, ganz hart geprobt.
04:28Aber es ist was rausgekommen. Ich glaub, ihr habt's ja gesehen.
04:31Fantastisches Stück.
04:33Jakobi, übernehmen.
04:35Übernehmen.
04:37Jakobi.
04:39Ich, ähm, ja.
04:41Ja, sehen Sie, Herr Kläumer,
04:43das mit dem Übernehmen wäre jetzt gar nicht so günstig.
04:48Haltst du das für möglich?
04:50Dass ich da abspüre in dem Stück?
04:52Noch viel mehr halt ich für möglich.
04:54Wir haben doch alle mitgekriegt in den letzten Jahren,
04:56was da passiert am Aktienmarkt
04:58und bei den Bankern und bei den Warren Buffets
05:00und wie sie alle heißen.
05:02Und ein paar Österreicher haben auch
05:04deren Namen wir nicht sagen.
05:06Ich will nicht eingesperrt werden wegen Verleumdung.
05:08Aber jeder weiß, an wen wir denken.
05:10Leider geht's aber da nicht immer so gut aus.
05:13Ja, also, wenn wir jetzt...
05:15Es ist doch am Schluss auch ein Krimi, nicht?
05:17Wir wollen jetzt ja nichts verraten,
05:19aber es ist auch Krimi.
05:21Es hat wahnsinnig viele fallhörende Stücke
05:25und somit auch meine Rolle.
05:27Und das hat Spaß gemacht, ja.
05:29Ja, deine Rolle.
05:31Was hältst du von diesem Menschen,
05:33den du da darstellst?
05:35Den mag ich.
05:37Ja, der steckt ganz tief in mir drin.
05:39Ich habe vor meiner Künstlerzeit
05:41einen seriösen Beruf gehabt.
05:43Ich war ja ein Kaufmann.
05:45Künstler ist nicht seriös.
05:47Schon.
05:49Aber für die Allgemeinheit wirkt
05:51ein Angestellter mehr wie ein Schauspieler.
05:53Kurzum, ich habe auch
05:55so einen alten Jakobi erlebt
05:57in der Zeit, in der ich in der Firma war.
05:59Und ich habe auch
06:01die Manager erlebt,
06:03wie dann eine Filiale nach der anderen
06:05in der Firma bankrott gegangen ist,
06:07weil die einfach nur noch
06:09Dummheiten gemacht haben.
06:11So kriminell wie die in dem Stück,
06:13das ist natürlich zum Teil schon überzeichnet,
06:15waren also die nicht.
06:17Also ich weiß genau, wer ich bin jetzt in dem Stück.
06:19Was genau hat das Shareholder-Value
06:21damit zu tun, eine rentable Abteilung
06:23zu schließen?
06:25Und so einen Blödsinn lernt man auf der Uni
06:27innerer Prost-Mahlzeit.
06:29...Betriebsblindheit.
06:31Herr Schmidt, Sie sammeln Punkte.
06:41Da sind Sie ja,
06:43meine externen
06:45Berater,
06:47meine Herrschaften.
06:50Ich würde mir vorstellen, dass
06:52Herr Dr. Dr.
06:54Manfred Tauber
06:56und
06:58Herr Dr. Dr.
07:00Paul Damminger,
07:02Frau Dr. Schmidt,
07:04...
07:06Natürlich, ich gebe Ihnen
07:08Recht, wenn Sie Recht haben.
07:10Das heißt, wenn ich meine, dass Sie
07:12Recht haben. Wenn Sie nicht Recht haben,
07:14also wenn ich meine, dass Sie nicht Recht haben,
07:16dann gebe ich Ihnen natürlich nicht Recht.
07:18Aber das zu Unrecht.
07:20Wunderbare Sache, wunderbares Stück.
07:22Soll man sich anschauen, auch wenn es einen
07:24sehr ernsten Hintergrund hat, aber es wird
07:26heiter rübergebracht und man kann sich dabei auch...
07:28Heute haben wir ein wunderbares Publikum gehabt.
07:30Nach jeder Szene Applaus
07:32und Sie haben gut reagiert.
07:34Es ist kein Schenkerklopferstück, aber ein lustiges Stück.
07:36Absolut.
07:38Unbedingt. Danke dir.
07:40Ich danke euch.
07:42Sehr gut sogar.
07:44Und der teuerste
07:46Der duftet gut.
07:48Boah, ein Schluck
07:5020 Euro.
07:52So ein Kognak.
07:54Den möchte ich wirklich mal in Ernten
07:56in Wirklichkeit trinken.
07:58Jetzt kommen Sie mir doch nicht zu.
08:00Sie waren es doch schließlich,
08:02wie sich diese Strategie
08:04ausgedacht hat. Frau Dr.
08:06Summerkuhm, Laude, Schmidt.
08:08Die goldene Gans.
08:10Gesetz 112
08:12Schlachte niemals die goldene Gans.
08:15In den kommenden Wochen
08:17eine ausgiebige Untersuchung
08:19hinsichtlich Bilanzfälschung,
08:21Kursmanipulation und Insiderhandel
08:23unterziehen werde.
08:25Ganz persönlich kann ich Ihnen nur raten,
08:27ziehen Sie sich warm an.
08:29Einen schönen Tag noch.
08:31Also versprechen Sie mir bitte eins.
08:33Bleiben wenigstens Sie so, wie Sie sind.
08:37Aber was soll ich denn tun?
08:41Wenn es nach mir ginge,
08:43legt mich hier auch alles anders ab.
08:45Aber was habe ich hier schon zu melden?
08:47Ja, ich bin nicht gefeuert.
08:59Sie meinen, ich soll mir andere Beate suchen?
09:01Vielleicht solche,
09:03wie Sie eine sind, Frau Dr. Schmidt.
09:05Eine abgezockte Hyäne,
09:07die vorgibt, für die Aktionäre zu arbeiten
09:09und sich dabei die eigenen Taschen vollstopft.
09:11Ihnen sind die Aktionäre genauso wurscht
09:13wie die ganzen Angestellten.
09:19Gratulation,
09:21ein fantastisches Stück
09:23mit sehr viel Wahrheit eigentlich.
09:25Ja, also
09:27ich glaube, jedem im Zuschauerraum
09:29ist klar,
09:31an welche Protagonisten er denkt,
09:33wenn er dieses Stück sieht.
09:35Stefan Vögel ist, glaube ich,
09:37sowieso ein Garant für tolle Stücke, oder?
09:40Und für ganz unterschiedliche auch.
09:42Es ist zum siebenten Mal,
09:44dass wir hier in der Freien Bühne Wieden
09:46eine österreichische Erstaufführung
09:48und manchmal auch Uraufführung machen.
09:50Das ist wirklich eine große Kontinuität,
09:52die da in der Arbeit liegt.
09:54Alle zwei Jahre haben wir eigentlich
09:56ein neues Stück von Stefan Vögel
09:58mit wirklich unterschiedlichsten Themen.
10:00Diesmal ist es ein großes Ensemble,
10:02das ist ungewöhnlich für uns.
10:04Meistens sind es drei, vier Leute im Ensemble.
10:06Diesmal sind es acht.
10:08Die Geschichte war es wert
10:10und es kommt sehr gut an.
10:12Ja, und man kann es sich noch anschauen
10:14und du wirst uns jetzt sicher sagen,
10:16wie lange es noch zu sehen ist.
10:18Ja, also dieses Stück, Global Player,
10:20das spielt es genau noch
10:22bis zum fünften April.
10:24Also ich würde mich sozusagen beeilen.
10:26Ein paar Tage
10:28sind schon sehr, sehr gut verkauft
10:30und es ist wirklich etwas,
10:32was man, glaube ich, im Moment gesehen haben sollte.
10:34Dem kann ich nur voll zustimmen.
10:36Wie geht es dann weiter?
10:38Wie geht es weiter?
10:40Ja, wir fangen schon wieder
10:42mit den nächsten Proben an
10:44und am 13. Mai ist die nächste
10:46österreichische Erstaufführung.
10:48Das ist Willkommen
10:50von Lutz Hübner und Sarah Nemitz.
10:52Das sind die beiden tollen Autoren
10:54und Autorinnen, die auch
10:56Frau Müller-Muszek geschrieben hat,
10:58was ja auch bei uns zu sehen war.
11:00Und Sam Madwar wird wieder Regie machen.
11:02Ich freue mich darauf.
11:05Wir sehen uns heute im Ensemble.
11:07Es tut sich einiges
11:09auf der Freien Bühne Wieden.
11:11Also bleiben Sie uns treu,
11:13kommen Sie wieder
11:15und immer wieder in dieses Theaterjuwel
11:17auf der Wieden.
11:19Unbedingt.